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Frontallappen

Die Frontallappen

Die Frontallappen sind ein bedeutender Bereich des Gehirns, über den ein Therapeut wenigstens grundsätzlich bescheid wissen sollte. Sie sind Ausgangspunkt vieler Aktivitäten im Gehirn und in ihnen gelagerte Störungen können verantwortlich für eine Vielzahl weit verbreiteter Symptome sein, wegen derer sich Klienten in Therapie begeben.

Kenntnisse über die Frontallappen können dabei helfen, die Diagnostik zu erleichtern und abzuwägen ob und in welchem Rahmen die Hypnose eine Lösung bieten kann bzw. welche hypnotherapeutische Vorgehensweise sich für die Behandlung einer bestimmten Störung empfiehlt.



Aufmerksamkeit
Gedächtnis
soziales Bewusstsein
Charakter
Motivation
Planung
Verteilung bzw. Weiterleitung von Aufgaben an andere Gehirnareale zur weiteren Verarbeitung
Die Präfrontallappen haben Verbindungen (neuronale Netzwerke), die zur Amygdala führen.




Die Frontallappen - Das Tor zum Gehirn

Die Frontallappen sind verantwortlich für die direkte und anhaltende Aufmerksamkeit, soziale Fähigkeiten, Gefühle, Empathie, Zeitmanagement, Arbeitsgedächtnis, die moralische Grundstruktur oder den Charakter, die ausführende Planung und Initiative. Sie erkennen Probleme und können sie zur Lösung an eine andere Gehirnregion senden.

Einer der bekanntesten Fälle einer Frontallappenschädigung geschah zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Vermont. Der Eisenbahn-Vorarbeiter Phileas Gage wurde Opfer einer zufälligen Explosion, die eine Metallstange durch den ventral medialen Bereich seines Gehirns trieb, direkt dorsal lateral links von Fz. Sie beschädigte nicht sein Broca-Zentrum, deshalb konnte er weiterhin mit anderen Menschen kommunizieren. Auf seinem unverletzten Auge konnte er noch perfekt sehen; seine motorischen Fähigkeiten waren intakt. Was sich verändert hatte, war seine Persönlichkeit. Seine Moral und sein Charakter waren schwer kompromittiert. Er war nun nicht mehr das ordentliche, aufrichtige Mitglied der Gesellschaft, das er zuvor war. Seine sozialen Fähigkeiten und seine Empathie gegenüber seinen Mitmenschen waren regelrecht zerstört.

Das Gehirn ist nicht nur ein Denkverarbeitungsorganismus, es ist auch der Sitz unseres Gewissens. Gefühle, Moral und das soziale Selbst können nicht von der Frontallappenfunktion getrennt werden; weitere tiefere Strukturen sind ebenfalls beteiligt. Ratey erklärte beispielsweise die Beziehung zwischen den Frontallappen und der Amygdala: „Der frontale Kortex, der verantwortlich ist für die komplexesten Verarbeitungsleistungen des Gehirns hat die stärksten Verbindungen zur Amygdala und die beiden Arbeiten zusammen als Teile des Netzwerks, das als soziales Gehirn bezeichnet wird“.

Neurofeedback Training entlang der anterior dorsalen (Fz) und ventralen (Fpz) Bereiche des Gehirns kann sich auf das Sozialverhalten und die moralische Stärke auswirken. Schwächen in diesen Bereichen führen zu trotzigem und antisozialem Verhalten. Ein solches Verhalten kann ebenfalls mit einem exzessivem niederfrequenten EEG und einer unzureichenden Durchblutung in anderen Bereichen wie speziell Fp1 und FP2 einhergehen. Klienten mit starken Ängsten in Folge eines Traumas, Angststörungen und Vergesslichkeit haben möglicherweise auch eine überaktive Amygdala. Neurofeedback im rechten präfrontalen Kortex kann „zu einer Reduzierung der Angst wie auch zu einem Gefühl der Ruhe und des Wohlbefindens führen“.

Die Untersuchung von Klienten auf Frontallappenstörungen bezieht häufig Messungen mit ein. Aber auch ohne Messungen kann schon eine erste Einschätzung getroffen werden. Scheinen die Klienten sich in einem Nebel zu befinden und können sich nicht konzentrieren? Haben sie Probleme mit der Schule oder mit Behörden? Sind sie ängstlich? Sind sie ethisch und moralisch? Interessieren sie sich für andere Menschen? Haben sie eine gute Sozialkompetenz? Benötigen sie doppelt so lange wie normal, um Schreibarbeiten zu erledigen? Wirken sie unmotiviert und abgeschaltet? Wenn sie negativ, deprimiert oder ängstlich sind, sollten Sie bei der Betrachtung des EEG's auf frontale Asymmetrien achten.





Symptome, die von den Frontallappen ausgehen

Hier finden Sie eine Übersicht von Symptomen, die von einer Störung in den Frontallappen ausgehen können:



Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen aller Art
Mangel an sozialen Fähigkeiten (z.B. "Außenseiterdasein", Unfähigkeit, sich in eine soziale Gruppe einzugliedern)
Mobbing (aufgrund der mangelnden Fähigkeit, sich an das Umfeld anzupassen, das daraufhin ablehnend reagiert)
Mangelnde Empathie (Klienten haben bspw. Schwierigkeiten, die Probleme anderer zu verstehen und wünschen sich häufig selbst mehr "Feingefühl")
Gestörtes Zeitmanagement / Zeitempfinden (z.B. Unpünktlichkeit, Strukturierungsprobleme im Alltag)
Antriebslosigkeit
Motivationsmangel
Depressionen
Ängste / Panikattacken


Die Frontallappen können also für einen Großteil der Probleme verantwortlich sein, wegen derer sich Klienten in Therapie begeben.

Mit Hypnose / Hypnosetherapie können Probleme, die in den Frontallappen gelagert sind behandelt werden.

Falls die Behandlung nach einem bestimmten Zeitraum aber nicht anschlägt sollte ein Therapeut immer abwägen ob eventuell eine größere neurologische Störung "mechanischer Natur" vorliegt, die evtl. auf rein psychotherapeutischer / hypnotherapeutischer Basis nicht ausreichend beeinflussbar ist und ein EEG veranlassen, das die Funktion der Fronatallappen überprüft und Aufschluss darüber gibt ob medikamentöse oder andere neurologische Maßnahmen notwendig sind.

Hypnose kann nur dann wirken, wenn die "Hardware" korrekt funktioniert. Funktionsstörungen im Gehirn selbst können der Hypnose im Zweifel die Arbeitsgrundlage entziehen und es ist wichtig, dass ein seriöser Therapeut die Grenzen seiner Methode erkennt und anerkennt und Klienten bei Bedarf Alternativen aufzeigen kann.





Messpunkte der Frontallappen im 10-20 Sytem

Zur Orientierung für Messungen mit dem EEG

Die Messpunkte der Frontallappen im im 10-20-System sind:

Frontale Pole - Fp1, Fp2, Fpz;
frontal – Fz, F3, F4, F7, F8

Achten Sie bei Messungen vor allem auf Ausgewogenheit / Unausgewogenheit. Eine rechtslastige Unausgewogenheit kann auf endogen bedingte depressive Verstimmungen hinweisen.





Überblick über wichtige Erkenntnisse

Bei genauerer Betrachtung der Aufgaben der Frontallappen im Gehirn ergeben sich einige Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, die für Therapeuten von großer Bedeutung sein können und dabei helfen können, eine Vielzahl von Symptomen besser einzuordnen.



Die Präfrontallappen (also der vordere Bereich der Frontallappen) bilden sich häufig erst bis zum 21. Lebensjahr vollständig aus. Störungen in diesem Bereich bei Kindern und jugendlichen können also darin begründet sein, dass das verantwortliche Areal noch gar nicht existent ist. Der Therapeut muss sich also die Frage stellen ob eine Behandlung überhaupt sinnvoll ist bzw. ob sie eine Besserung verspricht oder ob es insgesamt lohnenswerter wäre, den Patienten mit Hilfe verhaltenstherapeutischer Maßnahmen so gut wie möglich einzustellen und dem Gehirn die entsprechende Zeit, auszuwachsen zu geben. Diese Überlegung kann gerade beim Thema ADS / ADHS eine wichtige Rolle spielen.
Ein Großteil der Störungen anderer Systeme im Gehirn kann von den Frontallappen ausgehen. Sie leiten Aufgaben an andere Zentren weiter. Sind sie in ihrer Funktion gestört, kommen Aufgaben ggf. nicht dort an, wo sie weiterverarbeitet werden sollen. Oft wird dann fälschlicher Weise ein anderes Areal verdächtigt, verantwortlich für die Störung zu sein, dieses funktioniert aber tadellos und wird lediglich durch die fehlende Information von den Frontallappen an seiner Arbeit gehindert.
Die Frontallappen liegen an einer Position im Gehirn, die mit am weitesten von der zentralen Blut- und Sauerstoffversorgung entfernt ist. Eine niedrige Sauerstoffsättigung (z.B. durch Rauchen, Schlafapnoe oder Schwäche in der Atemmuskulatur währen Wachstumsphasen) kann ihre Funktion maßgeblich beeinträchtigen.