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Zudeckende Hypnose
Zudeckende Hypnose

Zudeckende Hypnose

Der Begriff zudeckende Hypnose als Gegenstück zur aufdeckenden Hypnose wird häufig von Anhängern des analytischen Hypnose als Synonym für die klassische Hypnose bzw. die direktive Hypnose gebraucht und soll zum Ausdruck bringen, dass mit dieser nicht-analytischen Vorgehensweise Probleme nicht "an der Wurzel" gelöst, sondern einfach mit dem Problem entgegenstehenden Suggestionen "überdeckt" werden sollen.




 

Zudeckende Hypnose



Theorie und Kritik der zudeckenden Hypnose

Nach landläufiger Vorstellung bedeutet zudeckende Hypnose, dass der Hypnotiseur dem Klienten Suggestionen gibt, die diesen an sein Behandlungsziel führen sollen, ungeachtet der Ursache seines Problems.

Hat ein Klient bspw. Höhenangst beim Überqueren von Brücken, könnte eine Suggestion wie "Du wirst Dich zukünftig vollkommen wohl fühlen, wenn Du eine Brücke überquerst" eine gegenläufige Suggestion darstellen.

Kritiker gehen nun davon aus, dass eine rein suggestive Vorgehensweise, die sich nur auf das Symptom, nicht aber seine Ursachen, also warum die Angst vor dem Überqueren von Brücken überhaupt enstanden ist bezieht, das Problem nicht oder nur zeitweise lösen kann bzw. dass es zu Problemverschiebungen oder einer Verdrängung des Problems kommen kann, die entweder zu einem Wiederauftreten des Problems oder zum Auftreten anderer Probleme führen können, da die eigentliche Problemursache nicht aufgelöst ist und verdeckt weiterarbeitet.

Kritiker haben nicht Unrecht mit solchen Gedankengängen, denn eine unzureichende Behandlung, die sich nur auf die Symptome, nicht aber ihre mögliche Ursachen konzentriert könnte im Zweifel zu eben solchen Entwicklungen führen.

Tatsache ist aber, dass ein gut ausgebildeter Hypnotiseur niemals einfach zudeckend arbeiten würde ohne im Rahmen einer sachgerechten Anamnese abzuklären ob eine direktive Arbeit angebracht ist. Bei der kritischen Verwendung des Begriffs "zudeckende Hypnose" handelt es sich also vermutlich weniger um die Beschreibung einer tatsächlich häufig verwendeten Vorgehensweise, sondern eher um einen Versuch der Anhänger der analytischen Hypnose, ihre Lehrart zu verteidigen und sie als "die bessere Hypnose" darzustellen, was sie de facto nur in bestimmten Bereichen, nämlich wenn es einen tatsächlichen punktgenauen Auslöser für ein Problem gibt und dieser auch im Inneren noch genug Aktivität zeigt, um für die Lösung eine Rolle zu spielen.

Da Probleme aber nicht immer nur auf einen konkreten Auslöser zurückführbar sind, sondern auch multifaktorielle, neurologische oder genetische Ursachen haben können (die psychotherapeutische Fachliteratur geht ausführlich auf Vulnerabilität und Vererbung ein), kann es durchaus vorkommen, dass es für ein Problem gar keinen analytisch konkret aufspürbaren und vor allem auflösbaren Ursprung gibt.

Hinzu kommen Bereiche wie bspw. die Schmerztherapie, in denen der Auslöser zwar bekannt, aber nicht lösbar ist (z.B. irreparable Schädigung nach Unfall).

In solchen Fällen hat die direktive, symptomorientierte Hypnose eine wichtige Funktion, denn sie bietet Lösungsansätze, die auch unabhängig von den Ursachen eine Linderung oder Heilung bieten können.

Ein moderner, therapeutisch orientierter Hypnotiseur oder Hypnosetherapeut verschreibt sich aber weniger einer bestimmten Lehrart, sonder beherrscht optimaler Weise alle hypnotischen Herangehensweisen, so dass er diejenige wählen kann, die am besten zum vorliegenden Problem passt.

In der TherMedius® Hypnose-Ausbildung sind deshalb alle hypnotherapeutischen Lehrarten und Herangehensweisen integriert und Teilnehmer erlernen, wann welche Techniken am sinnvollsten und erfolgsversprechendsten angewandt werden können.





Zudeckende Hypnose und Neuroplastizität

Aus Sicht der Gehirnforschung muss zudeckende Hypnose nicht per se etwas Negatives sein.

Aus der Erforschung der Wirkweisen der Verhaltenstherapie weiß man, dass wiederholtes "so tun als ob" vom Gehirn mit der Zeit durchaus als eine Art "neue Realität" angenommen und integriert werden kann.

Hierbei ist selbstverstänlich darauf zu achten, dass das alte "ungeliebte" Verhaltensmuster, das durch das neue, anfangs "gespielte" Verhaltensmuster, das sich mit der Zeit immer mehr integrieren soll bis es vom Gehirn als real akzeptiert wird ersetz und nicht nur überdeckt wird. Es sollte also nicht "zudeckend" sondern "ersetzend" vorgegangen werden.

Diese Mechanismen aus der Verhaltenstherapie lassen sich durchaus auch auf die Hypnose übertragen. Aus Sicht der Gehirnforschung und in Anbetracht der Fähigkeiten zur Veränderung, die das Gehirn aufgrund der Neuroplastizität besitzt, könnte die "zudeckende" (also ersetzende) Hypnose in so manchen Fall bessere Ergebnisse bringen als ein erfolgloser Versuch einer direkten Arbeit am Problem.







9. Hypnose-Lexikon