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Ideo-Realgesetz

Ideo-Realgesetz

Das Ideoralgesetzt ist eine von Willy Hellpach (Arzt und Psychologe 1877-1955) formulierte Erweiterung des Carpenter-Effektes und lautet:

"Jeder subjektive Erlebnisinhalt schließt einen Antrieb zu seiner objektiven Verwirklichung ein.“

Damit meint Hellpach nicht nur das ungewollte, automatische Mitvollziehen einer Bewegung (entsprechend dem Carpenter-Effekt), sondern darüber hinaus auch Gefühlsansteckung, Ausdrucksübertragung, ideomotorische Vorstellungen / ideomotorische Handlungen sowie Suggestion und Hypnose.

In einfachen Worten besagt das Ideorealgesetz in etwa "Unser Gehirn versucht alles, was wir uns vorstellen real werden zu lassen" (wobei bei "vorstellen" auch alles was wir von außen wahrnehmen, also auch bei anderen beobachten mit eingeschlossen ist.

Ungeklärt bleibt in diesem Rahmen aber:



Was genau bedeutet und umfasst die erwähnte "objektive Verwirklichung"?
Bis hin zu welchem Grad an Komplexität einer Vorstellung ist der Versuch einer Objektiven Verwirklichung zu erwarten?
Mit welcher Intention verfolgt das Gehirn dieses Ziel?
Wie lange und wie intensiv verfolgt es dieses Ziel?
Sind hierbei alle Gehirnareale mit involviert oder ist dies eine Aktivität bestimmter Zentren?


Kritiker an Hellpachs Gesetz sind deshalb der Meinung, es seien vor allem "große Worte", die aber nicht unbedingt vorbehaltlos akzeptabel sind, da entsprechende Belege für eine Allgemeingültigkeit fehlen.

In der "Hypnose- und Mental-Szene" wurde das Ideo-Realgesetz häufig relativ vorbehaltlos direkt oder in abgewandelter Form (vereinfachte Formulierungen wie "Jede bildhafte Vorstellung hat das Bestreben, sich zu verwirklichen" u.ä.) übernommen und gern auch als Vorlage für die Gestaltung eigener "hausgemachten Gesetzen" genutzt, was bei Anwendern immer wieder zu Verwirrung führte ("Ja es gibt aber doch ein Gesetz, das sagt..."), weil der Begriff "Gesetz" entweder zu wörtlich genommen wurde oder es sich weniger um ein Gesetz als eine häufig zutreffende, nicht aber allgemeingültige Regel handelte.

Aus Sicht der modernen Hypnose ist das Ideorealgesetz also kein wissenschaftliches Gesetz sondern eine Aussage, die unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Situationen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zutrifft und deren Wahrscheinlichkeit so hoch ist, dass es sich lohnt, als Behandler auf sie zu spekulieren und die Chance, einem Klienten über diesen Mechanismus helfen zu können zu nutzen. Allerdings ist man sich auch im Klaren, dass das Ideorealgesetz nicht die Grundlage für alle Hypnose-Anwendungen darstellt und man in vielen Fällen auch Alternative Vorgehensweisen verfügbar haben muss, die nicht allein auf der Vorstellung des Klienten beruhen (sondern bspw. auch auf anderen neurologischen Mechnismen).



9. Hypnose-Lexikon





Carpenter-Effekt
Kohnstamm-Effekt