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Humanethologie - Verhaltensbiologie und Hypnose

Humanethologie - Verhaltensbiologie und Hypnose

Die Humanethologie ist ein Zweig der Verhaltensbiologie, der das Verhalten des Menschen auf die Einwirkung stammesgeschichtlicher Entwicklungen und biologisch vorgegebener Faktoren untersucht.

Man könnte also sagen, die Humanethologie untersucht, wie viel des menschlichen Verhaltens in seiner "Hardware" schon von Geburt an vorgegeben ist und versucht abzugrenzen, welche Bereiche des Verhaltens während des Lebens erlernt werden und welche biologisch vorgegeben sind.

Die Erkenntnisse der modernen Neurologie, insbesondere der Gehirnforschung zeigen zunehmend auf, dass der Mensch wesentlich mehr von seinen biologischen Grundlagen bestimmt ist als sehr lange Zeit von der vor allem behaviouristisch geprägten klassischen Psychologie angenommen.

Zunehmend kommt man in der Neuzeitlichen Forschung davon ab, dass der Mensch als "unbeschriebenes Blatt" geboren wird, dem theoretisch alle Möglichkeiten, sich zu entwickeln und zu entfalten offenstehen, wenn nur das Umfeld stimmt. Nachdem die behaviouristischen Ansätze zunehmend als lückenhaft identifiziert wurden, gewannen die systemischen Theorien in der Psychologie zunehmend an Einfluss. Doch auch die Systemik kann nicht alle Verhaltensmuster erklären bzw. neigt stellenweise dazu, in schwammige Erklärungsansätze überzugehen (im Sinne von "Nur weil keine Ursache bzw. kein Verursacher erkennbar ist, heißt das noch nicht, dass sie nicht da ist - es könnte auch ein Großcousin dritten Grades des Urgroßvaters eine Rolle spielen, der unglücklicherweise hier und jetzt nicht mehr ausreichend erforschbar ist"). Ein wenig erinnern diese Ansätze an den heute inflationären Gebrauch des Begriffs Quantenphysik, der immer dann gern zu Rate gezogen wird, wenn etwas unlösbar oder unerklärbar scheint. Quantenphysisch ist theoretisch alles möglich und damit wird auf einen Schlag alles erklärbar und vor allem als wissenschaftlich sinnvoll geadelt.

Diese bewusst etwas überzogen und provokativ formulierten Äußerungen zur systemischen Psychologie bzw. Quantenphysik sind natürlich nicht pauschalisierbar und beide Forschungszweige haben eine große Bedeutung und selbstverständlich auch einen wichtigen Einfluss auf die moderne Psychotherapie, aber dennoch ist vielen Therapeuten daran gelegen, griffigere Ansätze zu finden, mit deren Hilfe sich bestimmte Begebenheiten im menschlichen Verhalten erklären und ggf. Lösungswege für verschiedene Problemstellungen entwickeln lassen.

Gerade die Hypnotherapie, die so eng wie kaum eine andere Therapieform an den grundlegenden Verhaltensmustern des Menschen arbeitet, sollte sich im Rahmen der Hypnose-Forschung eingehend mit der "Hardware" des Menschen auseinanderzusetzen, um ausloten zu können, welche therapeutischen Bestrebungen erfolgsversprechend sind, aber auch um Grenzen erkennen zu können, die ggf. auch mit Hypnose nicht oder nur sehr schwer überschritten werden können.



Vorgaben der neurologischen Hardware

Zuerst einige Worte zu wichtigen neurologischen Überlegungen, die für das Verständnis der Erkenntnisse aus der Humanethologie bzw. für ihre Bedeutung in der therapeutischen Arbeit eine wichtige Rolle spielen können:

Das Verhalten, das Befinden und die Potenziale des Menschen sind nach aktuellen neurologischen Erkenntnissen weit mehr von seinen genetischen Prädispositionen beeinflusst als lange angenommen (vgl. Artikel über die Funktionen verschiedener Gehirnareale).

Die Aussagen der Neurologie sind eindeutig: Ob ein Mensch das "Talent" hat, ein ausgezeichneter Mathematiker, ein herausragender Sportler im Sinne einer überdurchschnittlichen Beherrschung motorischer Abläufe oder ein virtuoser Musiker zu werden hängt neben der richtigen sozialen Umfeld, das als Zugangshürde gesehen werden kann, damit sich ein Talent überhaupt manifestieren kann vor allem von der entsprechenden Ausprägung und der Korrekten Funktion seiner für das jeweilige Thema hauptverantwortlichen Gehirnareale ab.

Ist ein betreffendes Areal unterdurchschnittlich ausgeprägt oder gar defekt, helfen selbst die optimalsten sozialen Rahmenbedingungen und die engagierteste Förderung nur wenig. Auch der bloße Wille des Individuums vermag hier nicht viel zu erreichen, wenn er überhaupt aufkommt (denn einige Bereiche, die dem einzelnen Menschen nicht möglich sind können sich auch nachweislich seiner Gedankenwelt entziehen, was dazu führt, dass er sich ihrer Nichtexistenz nie bewusst wird, da er es nie "darauf ankommen lässt").

Diese logische Betrachtungen erschließen sich vermutlich jedem relativ leicht - ein Mensch, der Taub ist, wird vermutlich kein Dirigent werden, ein Mensch, der stark hörgeschädigt ist, wird es vermutlich ebenfalls nicht, ein Mensch, dessen Gehirnareale, die für die akustische bzw. musikalische Wahrnehmung verantwortlich sind hat nach logischem Ermessen auch eher geringe Chancen, sich als brillianter Orchesterleiter in der klassischen Musik zu profilieren.

Jedoch sind diese Beispiele auch sehr offensichtlich und man kann zurecht einwenden, dass es augenscheinlich eine Vielzahl von Menschen gibt, deren Hörwahrnehmung vollkommen intakt ist, die sich aber dennoch nicht zum Dirigenten entwickeln.

Aber heißt das, dass jeder Mensch, der eine intakte Hörwahrnehmung hat auch das Potenzial in sich trägt, im richtigen sozialen Umfeld und mit der richtigen musikalischen Ausbildung zum Star-Dirigenten zu werden?

Die Neurologie sagt nein.

Denn den Erkenntnissen der Gehirnforschung vor allem in den letzten 10 Jahren nach zu urteilen bedarf es dem Zusammentreffen aus einer von Geburt an überdurchschnittlich ausgeprägten selektiven Gehirnfunktion und des richtigen sozialen Umfeldes, damit sich ein solches Ausnahmetalent entwickeln kann.

Die selektive Gehirnfunktion allein reicht aber auch noch nicht aus - ein ganzes Zusammenspiel von Talenten wie bspw. auch Disziplin, Gedächtnis, Empathie und die Fähigkeit zur sozialen Interaktion in einem gesellschaftlich sehr speziellen Bereich wie der klassischen Musik-Szene gehören dazu, dass ein Mensch mit dem Potenzial zum Star-Dirigent eines Tages auf einer großen Bühne vor einem renommierten Orchster stehen kann.

Und diese Kombination aus Fähigkeiten erscheint mit fortschreitender Forschung immer weniger "menschgemacht", also aus dem sozialen Umfeld erworben sondern zunehmend "angeboren".

Aus den angeborenen Fähigkeiten entwickelt sich dann oftmals auch ein spezifisches Verhalten. Ein Mensch, der musikalisch gänzlich untalentiert ist und schon bei der ersten Auseinandersetzung mit der Musik scheitert, wird vermutlich erst gar nicht versuchen, den Beruf des Dirigenten anzustreben. Er wendet sich vom Thema ab und stattdessen Themen zu, die ihm mehr Erfolge ermöglichen, die also seiner "Hardware" besser entsprechen.

Angenommen, dieser Mensch hätte ein besonderes Talent für motorische Abläufe, das ihm schon im frühen Kindesalter zu außergewöhnlichen Erfolgen im Fußball verhilft und ihm die damit verbundene Befriedigung und soziale Anerkennung verschafft, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus ihm ein Star-Fußballer entwickelt deutlich höher als dass er zum Star-Dirigenten wird.

Aber ist dies dann eine freie Entscheidung oder letztendendes nur ein natürliches, logisch leicht nachvollziehbares Verhalten, dass sich an das Vorhandensein natürlicher Gegebenheiten anpasst?

Wäre dieses Verhalten, wüsste man schon als Säugling von den neurologischen Prädispositionen, vielleicht sogar mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersehbar, ungeachtet des sozialen Umfeldes?

Könnte das Fußballtalent willentlich seine Neigungen und Talente ändern und bewusst "umschalten" auf klassische Musik?

Die Frage, die sich hier immer mehr herauskristallisiert ist, inwiefern ist ein Mensch tatsächlich "therapierbar", bzw. wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen der Therapie aus Sicht der menschlichen Hardware?

Ist der Mensch tatsächlich ein theoretisch unendlicher Raum, in dem sich sein Wesen frei bewegen kann oder ist er eher ein vordefiniertes Gefäß mit klaren Grenzen, an die man sich herantasten und die man im Zweifel auch ein wenig dehnen kann, die es aber nicht erlauben über einen bestimmten Punkt hinauszugehen.

Die Persönlichkeitsforschung hat gezeigt, dass ein Mensch sich entwickeln und erfolgreich an sich arbeiten kann, dass aber gewisse Grundzüge seiner Persönlichkeit auch über lange Zeit und einhergehend mit massiven äußeren Veränderungen nahezu unangetastet erhalten bleiben.

Der Mensch scheint also deutlich eingschränkter und wesentlich abhängiger von seinen biologischen Anlagen zu sein als es die "Persönlichkeitsentwicklungsbrache" bzw. die klassische behaviouristisch geprägte Psychologie zuzugeben bereit wäre. Vielleicht liegt es auch ein wenig im menschlichen Naturell, dass viele Therapeuten an der Theorie, jeder Mensch habe die selben Möglichkeiten festhalten - ein Eingeständnis, dass dem nicht so ist würde auch die Akzeptanz einer biologischen Ungerechtigkeit bedeuten und Ungerechtigkeit widerspricht unserer heutigen, demokratisch geprägten Weltanschauung. Zudem würde diese Akzeptanz auch in manchen Fällen die Hoffnung nehmen oder wenigstens mindern bzw. die Möglichkeit einräumen, dass in einigen Fällen ein bestimmtes Therapieziel schlichtweg aus "technischen Gründen" prinzipiell nicht erreichbar wäre.

Was in der somatischen Medizin Alltag ist (Somatiker sehen die Körperlichen Gegebenheiten und haben kein Problem damit, zu akzeptieren, dass ab einem gewissen Schädigungsgrad nichts mehr zu machen ist - so würde kein Chirurg nach dem Verlust eine Beines in den Raum stellen, dass man es ja mal mit einer anderen Einstellung probieren und das Bein dann vielleicht von allein nachwachsen könne), scheint in der Psychologie bzw. der Psychotherapie vielfach noch ein Tabu zu sein.

Die Hoffnung, das unmögliche möglich zu machen und den Menschen in jeder beliebigen Hinsicht nach seinen Wünschen verwandeln zu können steht vielfach mehr im Vordergrund als eine realistische Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Potenzialen des Klienten.

Die Hypnose befindet sich bei diesem Thema in einer brisanten Position: Sie scheint das unmögliche doch möglich machen zu können. Sie scheint das unerreichbare erreichbar machen zu können und das sogar auf eine teilweise unglaublich schnelle und traumtänzerisch einfache Art und Weise. Sie scheint die Beobachtungen der Neurologie und der biologischen Verhaltensforschung aus den Angeln heben zu können und dem Menschen zu erlauben, Bereiche zu betreten, die für ihn zuvor scheinbar definitiv verschlossen zu sein schienen.

Doch ist das wirklich so oder öffnet die Hypnose nur die Tür zu bisher noch unentdeckten und ungenützen Räumen des menschlichen Anlagenportfolios, die aber natürlich erst vorhanden sein müssen, um sie betreten zu können?

Hypnose-Forschung ist nicht nur die Erforschung konkreter Anwendungen, sondern beschäftigt sich auch mit so elementaren Fragestellungen, die als Grundlage für alle weiteren Überlegungen dienen können und sollten.

Das TherMedius®-Institut hat sich dem Ziel verschrieben, die moderne Hypnose weiterzuentwickeln, in ihrer Wirksamkeit zu steigern und wissenschaftlich zu erforschen. Dazu gehört natürlich auch die Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit die Hypnose als allgemeingültiges, bei jedem Menschen gleichermaßen erfolgversprechendes Verfahren ansehbar ist bzw. inwiefern ihre Anwendung noch deutlicher auf die jeweiligen Anlagen und Grundvoraussetzungen des einzelnen Klienten spezifiziert werden sollte, um ein Maximum an Wirksamkeit im Rahmen des für den Klienten tatsächlich Möglichen gewährleisten zu können.

Auch wenn diese Überlegungen das Eingeständnis erfordern, dass die Hypnose nicht jedem Menschen helfen kann, jedes Ziel zu erreichen, verspricht die Auseinandersetzung mit diesen Fragen doch eine deutliche Wirkungssteigerung der Hypnose, denn sie hilft dabei, die therapeutische Arbeit in einen realistischeren Rahmen zu bringen und Frustration aufgrund übermäßiger Erwartungen oder falscher Schlüsse zu vermeiden.

Gleichzeitig hilft sie, neue klientengerechte Behandlungsstrategien zu entwickeln, die es erlauben sollen, das für den Klienten individuell erreichbare Maximum zu erzielen, indem die Behandlung noch mehr auf seine persönlichen Anlagen und Verhaltensmuster abgestimmt werden kann.



Hypnose bei Migräne